Bad Cannstatt / Oberkochen. Der Jubel am Beckenrand war unüberhörbar. Sekunden zuvor hatte eine junge Schwimmerin aus Oberkochen ihre letzten Kräfte mobilisiert, die Arme noch einmal schneller durchs Wasser gezogen – und auf den letzten Metern ein Rennen gedreht, das schon verloren schien. Es sind genau diese Momente, die den Schwimmsport so besonders machen. Und beim Winterschwimmfest in Stuttgart gab es davon reichlich. Über 1.000 Schwimmerinnen und Schwimmer aus 51 Vereinen, rund 5.000 Starts und Teilnehmer aus Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg sowie sogar aus Griechenland und Rumänien verwandelten das Wochenende in Stuttgart in ein echtes Schwimmfestival. Mitten in diesem internationalen Teilnehmerfeld zeigte das junge Team des Schwimmverein Oberkochen, dass auch eine kleine Stadt große Talente hervorbringen kann.
Eine Besonderheit machte den Wettkampf zusätzlich anspruchsvoll: Erstmals wurde nicht nach einzelnen Jahrgängen, sondern nach Altersklassen gewertet. Für viele Oberkochener bedeutete das, gegen ein Jahr ältere Konkurrenz anzutreten. Doch statt sich davon beeindrucken zu lassen, schwammen die SVO-Talente mutig nach vorne – und sorgten für eine Reihe bemerkenswerter Geschichten.
Für den wohl spektakulärsten Einstand sorgte Martina Nowacki. Seit einem Jahr trainiert sie in der Wettkampfmannschaft, ihr erster offizieller Start für Oberkochen wurde jedoch direkt zu einem kleinen Paukenschlag. Mit beeindruckender Entschlossenheit stellte sie gleich drei neue Vereinsrekorde auf:
• 50 Meter Schmetterling: 33,68 Sekunden
• 50 Meter Brust: 40,09 Sekunden
• 50 Meter Freistil: 30,99 Sekunden
Damit unterbot sie Bestmarken, die teilweise fast zwanzig Jahre Bestand gehabt hatten – ein Einstand, der im Verein noch lange Gesprächsthema sein dürfte.
Für einen der emotionalsten Augenblicke des Wochenendes sorgte Sarah Ickert (Jahrgang 2012). Sie wagte sich erstmals an eine der härtesten Strecken des Schwimmsports: 200 Meter Schmetterling. Vier lange Bahnen, die selbst erfahrenen Athleten alles abverlangen. In der Geschichte des Oberkochener Vereins hatte noch keine Schwimmerin diese Strecke bei einem Wettkampf absolviert. Sarah lieferte sich über die gesamte Distanz ein packendes Duell um den dritten Platz. Bahnenlang lag ihre Konkurrentin knapp vor ihr. Doch auf den letzten 50 Metern zeigte die Oberkochenerin beeindruckende Willensstärke: Mit einem kraftvollen Endspurt zog sie an ihrer Rivalin vorbei – zwei Körperlängen Vorsprung beim Anschlag. Der Lohn: Bronze, ein neuer Vereinsrekord von 4:00,09 Minuten – und ein Moment voller Emotionen am Beckenrand.
Auch bei den Jungs ging es spektakulär zu. Über 100 Meter Schmetterling fiel der Vereinsrekord gleich zweimal– innerhalb weniger Minuten. Zunächst setzte Adrian Gölzer (Jg. 2012) mit 1:11,42 Minuten eine neue Bestmarke und unterbot damit den bisherigen Rekord von Alexander Schöttle deutlich. Doch der ließ sich nicht lange bitten. Im unmittelbar folgenden Lauf schlug Alexander zurück – und schwamm mit 1:10,19 Minuten erneut zu einem Vereinsrekord.
Für Adrian blieb dennoch ein äußerst erfolgreiches Wochenende. Auf mehreren Strecken unterbot er die Pflichtzeiten für die Württembergischen Meisterschaften. Auch die Qualifikation für die Baden-Württembergischen Meisterschaften ist nun in Reichweite – möglicherweise schon beim nächsten Wettkampf am 21. und 22.03. in Heidenheim.
Komplettiert wurde das Oberkochener Aufgebot durch Yvonne Lengweiler (Jg. 2014), Jana Rosenfeld (Jg. 2015), Lukas Gölzer (Jg. 2017) sowie Peter Schubert (Jg. 2008). Gemeinsam sammelte das Team 23 neue persönliche Bestzeiten. Besonders erfolgreich war Peter Schubert mit einem Silberpokal über 400 Meter Freistil, während Sarah Ickert für ihre Leistung über 200 Meter Schmetterling zusätzlich den Bronzepokal erhielt.
Doch vielleicht noch wichtiger als Zeiten und Pokale ist das, was zwischen den Starts entsteht: Teamgeist, Selbstvertrauen und die Freude daran, gemeinsam immer schneller zu werden. Der Schwimmverein Oberkochen zeigt damit eindrucksvoll, dass Leistungssport nicht nur in großen Städten zuhause ist. Auch in Oberkochen entstehen Träume – Bahn für Bahn, Meter für Meter. Der SVO freut sich daher immer über schwimmbegeisterte Kinder und Jugendliche – und natürlich über Eltern, die ihren Nachwuchs für diesen vielseitigen und gesunden Sport begeistern und sich selbst dabei engagieren möchten.
Leistungsschwimmen ist mehr als nur Bahnen zu ziehen. Es bedeutet Mut, Disziplin, Freundschaft und unvergessliche Erfolgsmomente. Und vielleicht beginnt genau hier die nächste große Geschichte: Mit einem Kind, das zum ersten Mal ins Wasser springt – und merkt, wie viel Freude darin steckt.
Pressemitteilung vom 2. März 2026